Stillzeit – Grundsteinlegung der ganz besonderen Art

Viel diskutiert und doch unwiderlegbar natürlich schön und gut: Das Stillen bringt Mutter und Kind viele Vorteile. Mit ein wenig Vorbereitung und etwas Geduld ist die Stillzeit ein kostbares Geschenk.

 

Stillzeit – wissenswerte Fakten

Laut einer Studie des Bayerischen Landratsamts haben 90 % aller Schwangeren den Wunsch, ihr Baby zu stillen. Nach zwei Wochen Stillen liegt die reale Rate noch bei 65 %. Die von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) empfohlenen sechs Monate ausschließlichen Stillens erreichen gerade noch 25 % (Studie 2006). Anlaufschwierigkeiten und fehlende Unterstützung lassen Mütter schnell resignieren aus Angst, ihr Kind nicht ausreichend zu versorgen. Stillprobleme wie unruhiges Trinkverhalten oder Brustentzündungen sind häufigste Ursachen neben Stress und Wiederaufnahme der Berufstätigkeit. Gründe, gänzlich aufs Stillen zu verzichten, können eine notwendige Medikamentenversorgung der Mutter sein. Hauptursache, auf die Stillzeit ganz zu verzichten, sind der zitierten Studie zufolge erstaunlicherweise die wohl nicht ganz selbstlosen Gründe der frischgebackenen Väter.

Laut einer Studie des Bayerischen Landratsamts haben 90 % aller Schwangeren den Wunsch, ihr Baby zu stillen.

Muttermilch – was sie so kostbar macht

Direkt nach der Geburt produzieren Hormone der Mutter die extrem gehaltreiche und daher wertvolle Vormilch, Kolostrum genannt. Ihre Inhaltsstoffe stärken die noch ungeschützte Abwehr des Babys und schützen es unter anderem vor Gelbsucht. Die leicht gelblich und etwas dickere Vormilch hilft dem Kind zudem, den ersten Stuhl – nach seiner tiefschwarzen Farbe Kindspech genannt – leichter abzugeben, und schützt den Baby-Darm.

Lächelndes Baby

Denn auf diesen kommt eine enorme Umstellung zu, gleich, ob die Fütterung per Muttermilch oder Fertignahrung erfolgt. Der perfekte Mix aus Nähr- und Abwehrstoffen wird vom Körper sogar jahreszeitlich angepasst, sodass er das Baby je nach aktuellen Umwelteinflüssen unterstützt.

Mit Beginn des sechsten Lebensmonats des Babys lässt der Gehalt der Muttermilch langsam nach. So zeigt die Natur, dass es sinnvoll ist, von nun an feste Nahrung zuzufüttern.

INFOKASTEN

Ein paar wissenswerte Daten zur Zusammensetzung der Muttermilch

  • 7 % Kohlenhydrate, 1 % Eiweiß, 4 % Fett
  • Laktose zur Unterstützung der Darmbakterien
  • Hoher Cholesterinanteil für eine rasche Gehirnentwicklung
  • Weiße Blutkörperchen zur Vernichtung von Bakterien, Pilzen und Viren
  • Antikörper, die dem Kind bei der spezifischen Abwehr von Krankheitserregern helfen („Nestschutz“)

Richtige Ernährung – Gesundheit für Mutter (und Kind)

Rund 600 Kalorien stehen am Tag zusätzlich auf dem Programm, wenn eine Frau stillt.

Die mütterliche Ernährung in der Stillzeit beeinflusst massiv das Wohlergehen des gestillten Kindes. Blähende Speisen, Nikotin, Alkohol, koffeinhaltige Getränke, künstliche Süßstoffe, Schokolade in großen Mengen und Zitrusfrüchte gilt es zu meiden. Eventuell verweigert der kleine Erdenbürger die Muttermilch, wenn diese sich durch stark geschmacks- beeinträchtigende Nahrungsmittel wie Knoblauch oder Spargel verändert. Rund 600 Kalorien stehen am Tag zusätzlich auf dem Programm, wenn eine Frau stillt.

Gesunde Ernährung beim Stillen

Bevorzugt sollten diese aus frischem Gemüse und Obst bestehen, dazu werden je zwei Portionen Seefisch und mageres Fleisch pro Woche empfohlen. Zudem benötigt der Körper zur Milchbildung eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr und zusätzliche Kalziumquellen wie Milchprodukte und Mineralwasser mit entsprechenden Kalzium-Werten.

Allergien

Auch wenn Sie unter Allergien leiden, ist die Muttermilch generell die beste Ernährung für Ihr neugeborenes Kind. Sollten Sie sich Sorgen darüber machen, ob Medikamente, die Sie gegen die Allergien einnehmen, Ihr Kind gefährden könnten, sprechen Sie am besten mit einem Facharzt über Ihren speziellen Fall.

Mutter mit Säugling

Erfolgreich stillen – ein kleiner Wegweiser

Wie immer im Leben, bedarf es einer gewissen Übung, richtig zu stillen. Idealerweise steht der Mutter zu Beginn der Stillzeit eine erfahrene Freundin oder Hebamme zur Seite. Auch wenn alle Voraussetzungen stimmen – die gebotene Ruhe und bequeme Haltung unterstützt durch ein Stillkissen, ausgewogene Ernährung und etwas Geduld –, tauchen trotzdem ab und an kleine Hürden auf, die es zu nehmen gilt.

Dabei darf die Mutter getrost auf die regulierenden Kräfte der Natur zählen. Die erste, manchmal schmerzhafte Erfahrung ist der massive Milcheinschuss der ersten Tage, wenn die Vormilch versiegt. Jetzt ist der kleine Erdenbürger gefragt, seine Mutter durch fleißiges Trinken zu entlasten. Wenn dagegen aus heiterem Himmel scheinbar die Milchmenge nicht mehr ausreicht, ist nicht selten ein Wachstumsschub des Babys und der damit verbundene erhöhte Appetit die Ursache. Die Nachfrage bestimmt hier das Angebot. Wer jetzt das Kind öfter anlegt, bemerkt bereits nach ein bis zwei Tagen, dass eine gesteigerte Milchmenge das Gleichgewicht wieder herstellt. Ein kleiner Tipp: Fenchel-Kümmel-Anis-Tee fördert die Milchbildung und sorgt gleichzeitig für die notwendige Flüssigkeitszufuhr.

Stilldauer – (k)eine Frage von Monaten?

Neben der Überlegung, ob überhaupt, stellt sich jede Mutter auch die Frage, wie lange Stillen sinnvoll ist. Allgemein wird zu einer Stillzeit von drei bis sechs Monaten ohne weiteres Zufüttern geraten. Stillberater empfehlen, zumindest die Erstversorgung durch das Kolostrum unmittelbar nach der Geburt zu nutzen, auch wenn die Mutter keinen weiteren Stillwunsch verspürt. Ein darüber hinausgehendes Stillen nährt nicht nur das Kind besonders wertvoll, es hilft ebenso der Mutter bei der Rückbildung der Gebärmutter. Diesen Effekt erlebt manche überraschte Erstgebärende, wenn sie während des Stillens leichte Ziehschmerzen im Unterleib empfindet.

Abstillen – der beste Weg zum Butterbrot

Im Normalfall beginnt mit nachlassendem Stillen und dem Umstieg auf festere Nahrung auch der selbstständige Rückgang der Milchbildung. Es spricht jedoch nichts dagegen, das Kind zum Beispiel am Abend weiterhin zu stillen. Viele Kinder kommen so leichter in den Schlaf.

Mutter und Baby beim Stillen

Und nicht selten möchte auch die Mutter den innigen Augenblick mit ihrem Kind nicht missen. Nur in wenigen Fällen muss der Frauenarzt ein Medikament zum Abstillen verordnen. Auch ein frühzeitigeres Abstillen geht allgemein ohne Probleme vonstatten. Eine regelmäßige Auflage von Kühlkissen lindert Brustentzündungen und vermindert zudem die Neubildung von Muttermilch.

Stillen: ja oder nein?

Die Frage der Liebe zum Kind definiert sich nicht über die Entscheidung, ob man stillt oder Fertignahrung füttert.

Die Vorteile der Muttermilch und des Stillens liegen klar auf der Hand. Als Mutter sollte man sich bezüglich der Entscheidung nicht unter Druck setzen (lassen). Die Frage der Liebe zum Kind definiert sich nicht über die Entscheidung, ob man stillt oder Fertignahrung füttert. Meist ist das „Bauchgefühl“ ein recht guter Ratgeber. Gespräche mit stillerfahrenen Müttern im Kreis der Schwangeren-Gymnastik oder die Empfehlungen der Hebamme sind da hilfreich. Die klare Entscheidung für oder gegen eine Form der Babynahrung muss aus Überzeugung getroffen werden. Noch wichtiger ist es, den vorhandenen Stillwunsch zielstrebig durchzusetzen und eventuell auftretende Anlaufschwierigkeiten nicht zu dramatisch zu bewerten. Hat das „Dreamteam“ Mutter-Kind erst einmal zusammengefunden, ist die Stillzeit ein einzigartiges Geschenk der Natur.