Einseitiger Kinderwunsch – was kann ich tun?

Familienplanung kann die Beziehung belasten, wenn der Kinderwunsch einseitig ist und der Partner keinen Nachwuchs möchte. Lesen Sie hier, woran es liegen kann und welche Möglichkeiten Sie haben.

 

Einseitiger Kinderwunsch kann von Frau und Mann ausgehen

Taucht in der Beziehung das Thema Kinderwunsch auf, aber die Frau oder der Mann will nicht, fühlt sich der andere Partner oft alleingelassen. Frauen leiden häufiger unter dieser Situation als Männer, denn bei ihnen tickt zusätzlich die biologische Uhr. Ab einem Alter von 40 oder 45 Jahren ist es in der Regel zu spät, ein Baby zu bekommen. Außerdem interessieren sich Frauen schon von Natur aus mehr für das Thema Babys und Kinder. Es liegt ihnen buchstäblich im Blut. Daher fühlen sie sich auch schnell zum Nachwuchs von Freunden und Verwandten hingezogen, nehmen gerne fremde Babys auf den Arm und schmusen mit ihnen.

Frau betrachtet Schwangerschaftstest

Doch auch Männer können darunter leiden, wenn ihr Kinderwunsch einseitig ist. Verspüren sie einen Kinderwunsch, aber die Frau will nicht, befinden sie sich in einer ähnlich verzwickten Lage. Das unerfüllte Verlangen nach einem eigenen Baby kann für beide Geschlechter sehr ausgeprägt sein und mit der Zeit eine ernstzunehmende Belastung darstellen.

Einseitiger Kinderwunsch hat verschiedene Gründe

Die Gründe, die gegen Nachwuchs sprechen, sind bei einseitigem Kinderwunsch sehr unterschiedlich. Die häufigsten sind:

  • Finanzielle Probleme
  • Angst vor der Verantwortung
  • Angst vor Veränderungen in der Beziehung
  • Angst vor der Mutter- bzw. Vaterrolle
  • Konflikte mit Beruf und Karriere

Problematisch wird es auch, wenn einer der beiden Partner bereits Kinder aus einer früheren Beziehung hat und aus finanziellen oder persönlichen Gründen keine weiteren Kinder bekommen möchte. Auch Partner, die sich prinzipiell gegen Kinder aussprechen, kommen häufig vor.

Das Gespräch suchen

Generell ist Offenheit der richtige Weg. Sprechen Sie das Thema konkret an und diskutieren Sie sachlich darüber. Ist Ihr Partner gegen ein Baby, sprechen Sie gemeinsam über die Gründe. Dabei ist es wichtig, dass Sie das Thema realistisch angehen. Übertriebene Erwartungen sind ebenso kontraproduktiv wie bewusste Schwarzmalerei. Versuchen Sie stattdessen, die Argumente Ihres Partners ernst zu nehmen und zu verstehen. Männer tun sich generell mit dem Gedanken an die Elternrolle schwerer als Frauen. Eine Studie der Robert Bosch Stiftung aus dem Jahre 2006 zeigt, dass ein Viertel der befragten Männer keine Kinder haben möchte. Bei den Frauen ist der Anteil mit jeder siebten Befragten um einiges geringer. Bei vielen Männern steckt die Angst vor dem Vatersein dahinter. Vielleicht lassen sie auch eigene negative Erlebnisse in der Kindheit zurückschrecken. Zudem sehen sich viele Männer auch heute noch viel stärker als Ernährer der Familie als Frauen. Sie fühlen sich mit dem Gedanken, Partnerin und Nachwuchs versorgen zu müssen, schlichtweg überfordert.

Männer tun sich generell mit dem Gedanken an die Elternrolle schwerer als Frauen.

Zusammen nach Lösungen suchen

Einseitiger Kinderwunsch lässt sich in vielen Fällen gemeinsam lösen. Überlegen Sie zusammen, welche Probleme und Verbindlichkeiten durch ein Kind entstehen können, und suchen Sie nach Möglichkeiten, Abhilfe zu schaffen. Auch Gespräche mit Freunden und Verwandten, die bereits Eltern sind, können dabei helfen. In einer stabilen Beziehung werden Sie dabei mit großer Sicherheit zu einer Entscheidung kommen.

Gemeinsam getroffene Entscheidungen akzeptieren

Egal, wie die Entscheidung lautet, wichtig für die Zukunft ihrer Partnerschaft ist, dass sich nun beide Partner daran halten. Konnte die Frau beim Thema Kinderwunsch den Mann überzeugen oder umgekehrt, sollten auch beide voll und ganz dazu stehen. Vorhaltungen wie „Ich habe es dir ja gleich gesagt!", wenn es einmal schwierig wird, helfen nicht weiter und vergiften die Beziehung. Auch wenn die Entscheidung gegen Nachwuchs ausfällt, müssen beide Parteien bereit sein, dies rückhaltlos zu akzeptieren. Ansonsten kann ein einseitiger Kinderwunsch zu einem unterschwelligen Konflikt werden, der die Partnerschaft von innen zerstört.

Manchmal ist auch professionelle Hilfe wie eine Paartherapie ein guter Weg. Der Therapeut als unabhängiger Dritter kann Sie beide bei der Entscheidungsfindung unterstützen und Lösungswege aufzeigen. Außerdem tun sich einige Paare in einer neutralen Umgebung leichter, das Thema sachlich zu diskutieren.

Ist ein Kompromiss möglich?

Einseitiger Kinderwunsch ist ein ernsthaftes Problem, bei dem Kompromisse nicht möglich sind. Denn ein bisschen schwanger werden geht nicht. Der betroffene Partner sitzt praktisch zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite steht seine Beziehung und auf der anderen das unerreichbar scheinende Familienglück. Viele Partner verzichten zugunsten der Beziehung auf das Baby und zahlen dafür auf lange Sicht einen hohen Preis. Denn ein langjährig gehegter einseitiger Kinderwunsch kann eine Depression und andere psychische Erkrankungen verursachen. Daher ist ein Kompromiss selten eine gute und dauerhafte Lösung. Anders sieht es beispielsweise bei der Anzahl der Kinder aus oder wann das zweite Kind geplant ist. Bei diesen Fragen haben Paare einen wesentlich größeren Entscheidungsspielraum.

Ultimatum und Trennung als letzter Ausweg?

So hart es klingt: Ist der Kinderwunsch einseitig, hilft ausschließlich, Klartext zu reden. Wenn Sie für sich selbst entschieden haben, dass Kinder unbedingt in Ihr Leben gehören, dann stehen Sie auch dazu. Ist Ihr Partner auch nach Ihren gemeinsamen Gesprächen noch unentschlossen, geben Sie ihm und sich Bedenkzeit. Lassen Sie das Thema einige Monate oder ein halbes Jahr ruhen und sprechen Sie danach wieder über Ihren Kinderwunsch. Wenn der Partner weiterhin nicht will, ist die Trennung von diesem Lebensgefährten durchaus ein realistischer Schritt, über den Sie ernstlich nachdenken sollten. Auch diese Entscheidung ist schwerwiegend und selten umkehrbar. Daher sollte die Trennung von Ihrem Partner stets die letzte Option bleiben.

Zwingen Sie Ihrem Partner nichts auf

Einseitiger Kinderwunsch kann Frauen zu drastischen Maßnahmen verleiten. Einige versuchen, ihren Partner zu seinem Glück zu zwingen. Sie setzen einfach Verhütungsmittel wie Pille oder Spirale ab und lassen der Natur ihren Lauf. Ist das Baby erst unterwegs, wird sich der Rest schon finden. Diese Lösung ist äußerst riskant, denn der Partner fühlt sich durch diese Handlungsweise zu Recht hintergangen und überrumpelt. Ein solcher Vertrauensbruch führt meist ebenfalls in eine Beziehungskrise oder zu einer Trennung.

Machen Sie sich stattdessen klar, dass einseitiger Kinderwunsch ein ernstzunehmender Konflikt in Ihrem Leben ist, und ziehen Sie, wenn nötig, Ihre Konsequenzen daraus. Wenn Sie schon so weit gehen würden, einfach heimlich ein Baby zu bekommen, ist es ratsam, den Status Ihrer Beziehung allgemein neu zu überdenken.

 

Kinderwunsch ohne Mann realisieren: So geht es

Viele Frauen denken darüber nach, sich ihren Kinderwunsch ohne Mann zu erfüllen. Schwanger zu werden ohne Mann ist zwar biologisch unmöglich, doch Single-Frauen haben heute durchaus Optionen.

Baby schläft auf der Brust der Mutter

Bei einem Kinderwunsch ohne Mann stehen zwei Aspekte im Vordergrund: die biologische Erfordernis der männlichen Spermien zur Befruchtung der Eizelle und der soziale Aspekt. Die meisten Frauen würden sich für ihre Kinder sicher wünschen, dass diese in einer stabilen Familie aufwachsen, und für sich selbst, dass ein Vater die – nicht zuletzt auch finanzielle – Last teilt.

Doch immer mehr Frauen, die keinen geeigneten Partner gefunden haben oder einfach die Freiheiten des Single-Lebens bevorzugen, nehmen das Projekt Baby heute auch alleine in Angriff. Sie verfügen über ein eigenes Einkommen und viel Selbstbewusstsein. Sie möchten ein Wunschkind für sich selbst bekommen, an das sie ihre Erfahrungen weitergeben und das sie durch die Höhen und Tiefen des Lebens begleiten können. Zugleich lässt sich der Kinderwunsch als Single-Frau heute viel leichter auf dem Wege der künstlichen Befruchtung realisieren als noch im letzten Jahrhundert.

Heute lässt sich der Kinderwunsch als Single-Frau viel leichter realisieren als noch im letzten Jahrhundert.

Die Entscheidung will jedoch gut überlegt sein, wenn die Unterstützung eines Partners fehlt: Denn wo sich sonst zwei Personen die Betreuung des Kindes teilen, ist die Single-Mutter alleine. Ein stabiler Arbeitsplatz und ein gutes berufliches Netzwerk, das im Falle einer Arbeitslosigkeit aushelfen kann, sollten also vorhanden sein. Auch zu Hause kann schnell Überforderung drohen, wenn kein Partner da ist, der helfend einspringt oder die Kinderbetreuung übernimmt, wenn Sie Termine wahrnehmen müssen.

Kinderwunsch ohne Mann: die wichtigsten Überlegungen

Um einen Kinderwunsch als Single-Frau zu realisieren, sollten Sie zunächst überlegen, auf welche Hilfe Sie zählen können. Sind Ihre Eltern beispielsweise bereit, ab und zu als Babysitter einzuspringen oder das Kind abends aus der Kita abzuholen, wenn Sie am Arbeitsplatz aufgehalten werden oder einen Arzttermin wahrnehmen müssen? Haben Sie Schwestern oder gute Freundinnen mit kleinen Kindern, die gelegentlich Ihr Kind mitbetreuen könnten?

Denken Sie über Ihre Wohnsituation nach: Als Single-Frau benötigen Sie weniger Platz für sich alleine als als Mutter mit einem Kind, das ein eigenes Zimmer bekommen soll. Können Sie sich gegebenenfalls den Umzug in eine größere Wohnung leisten oder wären Sie bereit, ihm zuliebe in eine kleinere Stadt mit günstigerem Wohnraum zu ziehen?

Gehen Sie auch einmal in sich: Tragen Sie schon seit Jahren einen unerfüllten Kinderwunsch als Single mit sich herum und spüren, dass die biologische Uhr immer lauter tickt? Dann ist es sicher sinnvoll, nicht länger auf einen potenziellen Vater zu hoffen, sondern die Schwangerschaft zu realisieren, solange diese für Mutter und ungeborenes Kind so gesund und sicher wie möglich verlaufen kann. Fühlen Sie sich jedoch einfach vernachlässigt, weil Freundinnen auf einmal voll in ihrer Mutterschaft aufgehen und keine Zeit mehr für Sie haben? Glauben Sie, dass ein Kind eine praktische Methode wäre, die innere Leere im Leben zu füllen? Dann sollten Sie sich den Kinderwunsch noch einmal überlegen, denn wenn das Kind einmal da ist, werden Sie viele Jahre die Verantwortung für das junge Leben tragen.

Schwanger werden ohne Mann: die Möglichkeiten

So ganz lässt sich der Kinderwunsch ohne Mann nicht realisieren. Es gibt für Single-Frauen jedoch gleich mehrere Optionen, um schwanger zu werden:

  • Anonyme Samenspender
  • Bekannte als Samenspender
  • Adoption
  • Pflegekind aufnehmen

Eine Adoption bleibt für die meisten Single-Frauen ein Wunschtraum. Schon jetzt ist die Nachfrage nach Adoptionskindern weit höher als das Angebot, und kinderlose verheiratete Paare werden generell bevorzugt. Leichter ist es, Pflegekinder aufzunehmen, denn für diese werden auch alleinstehende Frauen als Betreuer akzeptiert. Allerdings bleibt das Pflegekind gleichzeitig auch immer mit den leiblichen Eltern verbunden, sodass Sie es mit ihnen teilen müssen.

Die Samenspende in Deutschland

Die deutsche Politik hinkt der Realität um einige Jahre hinterher. So besagt eine 2006 veröffentliche Richtlinie der Bundesärztekammer, dass Reproduktionsmediziner Frauen ohne männlichem Partner nicht mit künstlicher Befruchtung helfen sollen. Dies gilt auch für lesbische Paare. Zugleich haben Samenspender seit einem Urteil des OLG Hamm kein Recht mehr auf Anonymität. Dies schreckt viele potenzielle Samenspender ab, denn sie fürchten etwaige Unterhaltungs- und Erbansprüche.

Um einen Kinderwunsch als Single in Deutschland zu realisieren, müssen Sie neben einem geeigneten Reproduktionsmediziner möglicherweise auf eigene Faust einen Samenspender finden, zum Beispiel aus dem Bekanntenkreis. Eine Alternative stellt der Gang ins Ausland dar: In den Nachbarländern Dänemark und Niederlande ist der Umgang mit dem Kinderwunsch für Single-Frauen weit weniger restriktiv.

Kinderwunsch ohne Mann umsetzen

Die Befruchtung kann auf verschiedene Weise erfolgen. Bei der intrauterinen Insemination wird mit Medikamenten ein künstlicher Eisprung herbeigeführt. Anschließend wird der zuvor eingefrorene Samen aufgetaut und aufbereitet, ehe er über einen Katheter in die Gebärmutter eingeführt wird. Alternativ findet eine künstliche Befruchtung außerhalb des Körpers ("In-vitro-Fertilisation") statt. Die befruchtete Eizelle wird dann in die Gebärmutter eingepflanzt. Die Chancen auf eine Schwangerschaft liegen bei etwa 15 Prozent bei künstlicher Befruchtung und 19 Prozent bei Insemination. Es sind vermutlich mehrere Anläufe notwendig, ehe Sie schwanger sind.

Der gesellschaftliche Aspekt

Wenn Sie einen Kinderwunsch als Single verspüren und ganz sicher sind, dass Sie unbedingt ein eigenes Kind haben möchten, sollten Sie sich nicht von gesellschaftlichen Vorurteilen abhalten lassen. Schließlich gibt es ohnehin keine Garantie dafür, dass eine Ehe ewig hält, und viele Kinder wachsen heute bei einem alleinerziehenden Elternteil auf. Ihr Kind wird ein echtes Wunschkind sein und Ihre Liebe und das Gewünschtsein beim Aufwachsen stets spüren, wenn Sie es auf seinem Lebensweg durch Kindergarten, Schule und Studium begleiten.

Nehmen Sie also ruhig die Chance wahr, sich Ihren Kinderwunsch ohne Mann zu erfüllen und Ihrem Nachwuchs ein glückliches Leben mit einer Mutter zu geben, die sich dieses Kind wirklich intensiv gewünscht hat.