Elternzeit und Elterngeld – Leistungen für junge Familien

Mit den Leistungen Elternzeit und Elterngeld stärkt der Staat berufstätigen Eltern den Rücken. Lesen Sie hier, welche Vorteile die Leistungen haben, wie Sie sie für sich nutzen und wo Sie sie beantragen.

 

Was ist Elternzeit?

Elternzeit ermöglicht es Eltern, ihr Arbeitsverhältnis bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres ihres Kindes ruhen zu lassen. Dabei wird der Arbeitgeber von der Vergütungspflicht freigestellt, während die Eltern innerhalb dieses Zeitraums von der Arbeitspflicht befreit sind und Kündigungsschutz genießen. Nach Beendigung der Auszeit nehmen Sie Ihr Beschäftigungsverhältnis zu den im Arbeitsvertrag getroffenen Vereinbarungen wieder auf.

Mann und Frau sehen sich an

Elternzeit ermöglicht es Eltern, ihr Arbeitsverhältnis bis zur Vollendung des dritten Lebensjahres ihres Kindes ruhen zu lassen.

Zu den berufstätigen Eltern gehören beispielsweise

  • in Vollzeit beschäftigte Arbeitnehmer
  • Teilzeitarbeiter
  • Arbeiter in einem befristeten Arbeitsverhältnis
  • Auszubildende
  • Heimarbeiter

Wer hat Anspruch auf Elternzeit?

Elternzeit steht Ihnen zu, wenn Sie und/oder Ihr Partner nach der Geburt des Kindes mit Ihrer Erwerbstätigkeit pausieren möchten, um sich der Betreuung und Erziehung des Kindes zu widmen. Diese gesetzliche Regelung schließt auch die Kinder des Ehegatten oder Lebenspartners mit ein. Außerdem können Sie diese Leistung auch für Kinder in Vollzeitpflege beantragen (§ 33 Sozialgesetzbuch Achtes Buch – SGB VIII).

Werdende Eltern

Grundsätzlich haben Sie einen Anspruch auf diese Leistung, wenn

  • Sie mit dem zu betreuenden Kind in einem Haushalt leben
  • Sie Ihren Anspruch beim Arbeitgeber innerhalb der gesetzten Fristen geltend gemacht haben
  • das Kind zum Zeitpunkt der Antragstellung das dritte Lebensjahr noch nicht vollendet hat

Wichtig: Sind Sie oder Ihr Lebenspartner noch minderjährig oder befinden Sie sich noch in der Ausbildung, können auch die Großeltern des Kindes eine Freistellung beantragen.

Das Elterngeld – finanzielle Unterstützung in der Babypause

Elterngeld ist eine einkommensabhängige Maßnahme, um junge Familien während der Elternzeit finanziell zu unterstützen. Diese Maßnahme entlastet das Budget nach dem Wegfall Ihres Einkommens und macht es Ihnen leichter, sich entspannt um Ihr Baby zu kümmern. Sie haben Anspruch auf diese Leistung, wenn Sie

  • Ihr Kind nach der Geburt selbst betreuen und es in Ihrem Haushalt lebt
  • einen Wohnsitz in Deutschland haben
  • während der Elternzeit nicht mehr als 30 Wochenstunden im Monat arbeiten

Grundsätzlich steht das Elterngeld allen jungen Familien zu. Ausnahme: Haben Sie und Ihr Lebenspartner im Kalenderjahr vor der Geburt des Kindes zusammen mehr als 500.000 Euro zu versteuerndes Einkommen (bei Alleinerziehenden mehr als 250.000 Euro) erwirtschaftet, entfällt der Anspruch auf das Elterngeld.

Das Elterngeld erhalten Sie allein mindestens für zwei und maximal für zwölf Monate. Bleibt Ihr Partner im Rahmen der Partnermonate ebenfalls zu Hause, verlängert sich Ihr Anspruch auf insgesamt 14 Monate.

Elterngeld beantragen

Wie die Elternzeit können Sie auch das Elterngeld an die Großeltern des Kindes übertragen, wenn diese die Betreuung des Kindes übernehmen.

Elterngeld beantragen Sie schriftlich bei der zugehörigen Elterngeldstelle Ihres Wohnortes. Die Höhe des Elterngeldes richtet sich nach Ihrem Nettoeinkommen vor der Geburt. Als Angestellte benötigen Sie für den Antrag daher die Lohn- oder Gehaltsbescheinigungen der letzten zwölf Monate.

Junges Paar mit Buch

Wenn Sie selbstständig sind, genügt in der Regel der Steuerbescheid des betreffenden Kalenderjahres. Bei Wehr- oder Zivildienst leistenden Vätern wird (so vorhanden) das Einkommen vor dem Dienst zur Berechnung herangezogen.

Mütter, die vor der Geburt nicht berufstätig waren, erhalten ein Mindestelterngeld von 300 Euro / Monat.

Wichtig: Wie die Elternzeit können Sie auch das Elterngeld an die Großeltern des Kindes übertragen, wenn diese die Betreuung des Kindes übernehmen. Nähere Auskünfte dazu erteilt Ihnen Ihre Elterngeldstelle.

Elternzeit beantragen

Die Anmeldung für Ihre berufliche Freistellung muss Ihrem Arbeitgeber spätestens sieben Wochen vor Antritt der Elternzeit vorliegen. Haben Sie diesen Termin versäumt, verschiebt sich der Beginn der Auszeit entsprechend nach hinten. Durch die sieben Wochen Vorlauf kann sich das Unternehmen rechtzeitig um Ersatzkräfte bemühen und die Organisation der Arbeitsabläufe besser planen.

Damit die Anmeldung gültig ist, müssen Sie Ihre Freistellung schriftlich beantragen und das Dokument unterschreiben. Eine formlose E-Mail an den Arbeitgeber reicht nicht aus.

Wichtig: Wenn Sie in Ihrem Elternzeit-Antrag nur Betreuungszeiten für das erste Lebensjahr Ihres Kindes festlegen, wird automatisch der Rückschluss gezogen, dass Sie auf weitere Betreuungszeiten im zweiten Lebensjahr und/oder darüber hinaus verzichten. Im Nachhinein weitere Elternzeit zu beantragen, ist in der Regel kompliziert und nur mit der Zustimmung Ihres Arbeitgebers möglich.

Elternzeit für Väter

Schwangere Frau sitzt auf einer Wiese

Väter haben wie Mütter ein Recht auf bis zu drei Jahre Elternzeit für ihr leibliches oder adoptiertes Kind. Bei nicht leiblichen Kindern hat der Lebenspartner so lange Anspruch darauf, bis der leibliche Vater seinerseits Ansprüche anmeldet. Die Elternzeit für Väter kann wahlweise direkt nach der Geburt beginnen oder zu einem späteren Zeitpunkt genommen werden. Es gelten dieselben Fristen wie bei der Mutter. Beide müssen – so ist es seit 2009 geregelt – ihr Beschäftigungsverhältnis für mindestens zwei Monate ruhen lassen.

Väter haben wie Mütter ein Recht auf bis zu drei Jahre Elternzeit für ihr leibliches oder adoptiertes Kind.

Das Familienministerium begründet diese Entscheidung damit, dass ein Monat allein für die Betreuungsaufgaben und Arbeitsteilung in der Familie nicht ausreiche. Die beiden Monate müssen jedoch nicht zusammenhängend genommen werden. Sie können die Frist auf zweimal einen Monat aufteilen.

Neuregelungen ab Juli 2015

Bei Geburten ab dem 1. Juli 2015 gelten andere Regelungen für den flexiblen Teil der Elternzeit. Von diesem Stichtag an können Sie 24 anstatt der üblichen zwölf Monate auf den Zeitraum zwischen dem 3. und 8. Lebensjahr übertragen. Die Zustimmung Ihres Arbeitgebers benötigen Sie dazu nun nicht mehr.

Außerdem können Sie Ihr Arbeitsverhältnis nun für drei Zeitabschnitte anstatt der bisherigen Zwei stilllegen.

Wichtig: Fällt der dritte Zeitraum zwischen den 3. und 8. Geburtstag des Kindes, kann der Arbeitgeber die Genehmigung aus dringenden betrieblichen Gründen verweigern.

Arbeiten in der Babypause

Sie dürfen in Ihrer Elternzeit bis zu 30 Wochenstunden im Monat arbeiten.

Der Anspruch besteht dann, wenn

  • keine dringenden betrieblichen Gründe dagegen sprechen
  • der Betrieb mehr als 15 Mitarbeiter besitzt
  • Sie Ihr Arbeitsverhältnis mindestens zwei Monate lang auf einen Arbeitsumfang von 15 bis 30 Wochenstunden verringern
  • Sie länger als sechs Monate im Betrieb tätig sind
  • Sie Ihrem Arbeitgeber die Wünsche für ein Teilzeit-Arbeitsverhältnis spätestens sieben Wochen vor Beginn mitgeteilt haben

Mutter mit Baby in Hochstuhl

Wichtig: Nach Ihrer Rückkehr an Ihren Arbeitsplatz gelten wieder die früheren Arbeitszeiten aus Ihrem Arbeitsvertrag. Eine Schlechterstellung, wie zum Beispiel das Beibehalten der Teilzeitregelung über die Elternzeit hinaus, ist nicht zulässig.

Für Kinder, die ab dem 01.07.2015 geboren werden, können Sie zudem das neue ElterngeldPlus beantragen.

Es richtet sich speziell an Eltern, die nach der Geburt Teilzeit arbeiten. Aus einem Elterngeldmonat werden zwei ElterngeldPlus-Monate. Die Laufzeit des Elterngeldes verdoppelt sich demnach durch diese Leistung. Das hilft Eltern dabei, Familie und Beruf miteinander zu kombinieren und über den 14. Lebensmonat des Kindes hinaus selbst für Betreuung und Erziehung des Nachwuchses zu sorgen.