Rund um das Kindergeld: Das müssen Eltern wissen

Mit dem Kindergeld unterstützt der Staat junge Familien. Doch bei dem umfassenden Regelwerk gibt es auch viele Fragen. Lesen Sie hier die wichtigsten Antworten.

 

Wer hat Anspruch auf wie viel Kindergeld?

Wer in Deutschland ein Kind in seinem Haushalt aufzieht, hat Anspruch auf Kindergeld. Dies gilt nicht nur für die Eltern des Kindes, sondern kann stellvertretend auch für die Großeltern sowie Adoptiv- oder Pflegeeltern zutreffen, wenn diese für das Kind sorgen. Voraussetzung ist, dass die Erziehungsberechtigten ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland haben oder dort uneingeschränkt steuerpflichtig sind.

Mutter mit Kleinkind

Seit 2017 liegt die Höhe des Kindergelds bei jeweils 192 Euro für das erste und das zweite Kind. Für das dritte Kind werden 198 Euro gezahlt und für das vierte und jedes weitere Kind 223 Euro.

Wer in Deutschland ein Kind in seinem Haushalt aufzieht, hat Anspruch auf Kindergeld.

Eltern müssen Kindergeld beantragen

Der Anspruch auf Kindergeld entsteht automatisch mit der Geburt des Kindes und gilt in vollem Umfang bereits für den Monat, in dem es zur Welt kommt. Wenn ein Baby also am 28.07. geboren wird, sind die Eltern für den gesamten Monat Juli bezugsberechtigt.

Wichtig: Um die Zahlungen zu erhalten, müssen die Eltern das Kindergeld beantragen. Dieser Antrag ist schriftlich bei der Familienkasse einzureichen, die in der für die Eltern zuständigen Agentur für Arbeit ansässig ist. Eine Ausnahme besteht für Berechtigte, die im öffentlichen Dienst beschäftigt sind. Sie müssen den Antrag bei ihrem Dienstherren einreichen.

Junges Paar baut Kinderbett auf

Bis zur Überweisung der ersten Zahlung sollten Eltern mit einer Bearbeitungsdauer von einem bis anderthalb Monaten rechnen. Wer das Kindergeld so früh wie möglich erhalten will, reicht den Antrag am besten bereits vor der Geburt ein. Eltern, die es in der turbulenten Zeit nach der Ankunft des Babys versäumen, Kindergeld zu beantragen, entsteht jedoch kein Nachteil: Das Geld wird bis zu vier Jahren auch rückwirkend gezahlt.

INFOKASTEN – ÜBERSICHT ÜBER DIE HÖHE DES KINDERGELDES

Kindergeld für das 1. und 2. Kind: je 192 Euro

Kindergeld für das 3. Kind: 198 Euro

Kindergeld für jedes weitere Kind: 223 Euro

Auch Immigranten, die mit ihren Kindern in Deutschland leben, haben unter gewissen Bedingungen Anspruch auf Kindergeld. Sofern sie nicht aus einem EU-Land stammen, müssen sie dafür jedoch eine Niederlassungs- oder Aufenthaltserlaubnis besitzen, die eine Erwerbstätigkeit ermöglicht. Staatsangehörige eines EU-Landes dagegen sind aufgrund der Freizügigkeitsregelung den deutschstämmigen Bürgern gleichgestellt.

Junge Mutter mit Baby

Kindergeld ist eine steuerliche Ausgleichszahlung

Was viele nicht wissen: Das Kindergeld ist keine Sozialleistung, sondern eine steuerliche Freistellung des Einkommens der Bezugsberechtigten in Höhe des Existenzminimums des Kindes. Das hört sich kompliziert an – und ist tatsächlich nicht ganz einfach, denn: Erziehungsberechtigte können entweder das Kindergeld beziehen oder den steuerlichen Kinderfreibetrag in Anspruch nehmen. Beides gemeinsam ist nicht möglich.

Erziehungsberechtigte können entweder das Kindergeld beziehen oder den steuerlichen Kinderfreibetrag in Anspruch nehmen.

Je nach Einkommen der Eltern ist es jedoch unterschiedlich, welche Variante für sie günstiger ist: der Bezug des Kindergeldes oder der Abzug des Kinderfreibetrages von dem zu besteuernden Einkommen. Die gute Nachricht ist, dass Eltern hier nicht selbst rechnen müssen, denn das erledigt das Finanzamt für sie. Im Rahmen der sogenannten Günstigerprüfung wählt die Behörde automatisch die lohnendere Variante für die Eltern aus.

Kindergeld in Deutschland: So lange gilt der Anspruch

Grundsätzlich wird das Kindergeld bis zur Volljährigkeit des Kindes gezahlt. Unter gewissen Umständen bleibt der Anspruch jedoch über das 18. Lebensjahr hinaus bestehen, beispielsweise während der Berufsausbildung, einer allgemeinen Schulausbildung oder eines Studiums. In diesem Fall endet der Anspruch der Eltern auf Kindergeld erst mit der Vollendung des 25. Lebensjahres. Wichtig: Eltern sind verpflichtet, der Familienkasse jede relevante Änderung der Verhältnisse zügig zu melden.

Anders verhält es sich bei Kindern mit einer Behinderung. Wenn diese nachweislich nicht in der Lage sind, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten, kann das Kindergeld sogar lebenslang gezahlt werden. Die Behinderung muss hierfür jedoch schon vor Vollendung des 25. Lebensjahres eingetreten sein.

Wenn nicht sichergestellt werden kann, dass das Kindergeld auch wirklich dem Kind zugutekommt, kann dieses beantragen, die Zahlung selbst zu erhalten. So ein Abzweigungsantrag ist berechtigt, wenn beispielsweise die Eltern keine Kost und Logis gewähren und dauerhaft keinen oder nur unregelmäßigen Unterhalt leisten.

Mädchen berührt Schwangerschaftsbauch

Sonderregelungen für getrennt lebende Eltern

Anspruch auf Kindergeld hat immer nur eine Person. Bei getrennt lebenden Elternteilen ist derjenige bezugsberechtigt, in dessen Haushalt das Kind lebt. Der andere, barunterhaltspflichtige Elternteil erhält keine Zahlung. Er profitiert jedoch trotzdem, da die Hälfte des Kindergelds von seinem zu zahlenden Unterhalt abgezogen wird. Dies mindert die Leistung, die er monatlich erbringen muss.

Eine Sonderregelung besteht auch für Patchwork-Familien mit sogenannten Zählkindern: Lebt ein Paar mit Kindern zusammen und hat der Vater beispielsweise eine Tochter aus einer früheren Beziehung, so wirkt sich das auf die Höhe des Kindergeldes aus. Dies gilt selbst dann, wenn die Tochter gar nicht mit im gemeinsamen Haushalt lebt. Grund dafür ist die Staffelung der Leistungshöhe. Zwar bekommt der Vater für die Tochter, die nicht bei ihm wohnt, kein Kindergeld, doch werden seine anderen Kinder durch die Tochter so eingestuft, dass sie als zweites, drittes und viertes Kind zählen (siehe Rechenbeispiel).

INFOKASTEN – BEISPIEL ZÄHLKIND

Beispiel: Paar mit drei Kindern

192 + 192 + 198 Euro = 576 Euro

Paar mit drei Kindern, zudem hat der Vater ein älteres Kind aus erster Ehe, das bei der geschiedenen Ehefrau lebt

192 + 198 + 223 Euro = 613 Euro